• Lebensträume

    Ich kann vom Schreiben leben.
    Und vom Leben schreiben.

    Das bedeutet eigentlich, dass meine zwei akutesten Lebensträume fürs Erste abgehakt sind. Manchmal fragen Leute, welche Interpreten ich mir noch unbedingt wünschen würde. Dummerweise gibt's da eigentlich niemand Konkretes mehr. Denjenigen, die ich mir immer gewünscht habe - André Stade, Mireille Mathieu, Dana Winner etc. - durfte ich schon Lieder schreiben. Die Flippers und Andrea Jürgens sind die Helden meiner Kindheit; die wären noch sehr schön. Gitte Haenning und Katja Ebstein machen heute eher in Jazz und Kunst (und das sehr gekonnt!), Pe Werner schreibt alles selbst (und das besser als ich es für sie könnte), von Udo Jürgens trennt mich eine zu große Altersspanne, Hanne Haller ist tragischerweise schon tot und Peter Alexander singt nicht mehr. Okay, doch, eine gibt's: Mary Roos! Sie ist wohl die letzte ganz "aktuelle" Heldin! Über eine Arbeit für sie würde ich mich wirklich extrem freuen! Mary, falls Du das hier liest... ;-)

    Trotzdem hat der Textdichter natürlich ein Ziel. Nur trägt dieses Ziel eben keinen konkreten und populären Namen, sondern führt eher ins Unbekannte: Nachwuchs! Ich finde die Vorstellung wunderbar, dass man als Kreativer die Chance hat das öffentliche Bild eines Künstlers mitzuprägen, seine musikalische Geschichte mitzuschreiben und überhaupt erst talentierten Menschen gemeinsam mit musikalischen Partnern einen Start in diese Branche zu ermöglichen. Ich glaube, für jeden Autoren ist das eine reizvolle Aufgabe, wenn man sie ernsthaft angeht und wirklich jemanden findet, an den man glauben kann. Gestern habe ich mir jedenfalls meine ersten Nachwuchskünstler bei einer Veranstaltung angesehen und mir ging das Herz auf!

    Ob daraus was erfolgreiches wird, weiß natürlich noch keiner. Aber allein die Idee, es KÖNNTE was werden, macht den Job gleich doppelt so schön!

  • Jetzt singt er auch noch!

    So, ab heute ist es ein bisschen öffentlich. Heute erschien die erste Pressemeldung zu meiner ersten eigenen Single "Au revoir". Jetzt sing ich also wirklich. Im Studio, beim Fotoshooting und beim Brüten über dem Plattenvertrag kann man ja wenigstens noch so tun, als könnte man dieses kleine Geheimnis für sich behalten. Nu nich mehr. Meine Platte kommt; ich singe! Mama sagt, ich hab's von ihr. Solange Papa nickt, hat sie wohl recht. (Wenn Papa nicht mehr nickt, auch. Mamas dürfen sowas.)

    Alle sieben Jahre häutet man sich angeblich. Im Frühjahr 2002 erschien meine erste Single als Songtexter, "Santo Domingo, die Sterne und du" vom Fernando Express. Jetzt haben wir Frühjahr 2009 und "Au revoir" erscheint. In gewisser Weise ist das wie ein kleiner Neuanfang. Nicht weil es wirklich einer wäre, aber weil er sich ein bisschen so anfühlt wie damals. Es ist aufregend. Und toll. Die Zeit rast und kriecht gleichermaßen, es ist so vieles zu tun und der Kopf kreist auf einmal wieder nur um ein Lied. Selbst dann noch untergündig, wenn man was ganz anderes macht. Bevor das Lied auch nur irgendwo live aufgeführt wurde, muss ich mir schon Gedanken machen, wer sich zukünftig überhaupt Sachen von mir anhören und möglicherweise sogar irgendwann mal kaufen will.
    Ja Himmel, was weiß denn ich!?, denke ich still und leise.
    Ich bezieh das bei der Wahl der Klamotten für die Bühne und fürs Fotoshooting mit ein, sagt mein Mund, und zwar auf Nachfrage meiner Ansprechpartnerin von der Plattenfirma, und ja klar, im zweiten Schritt auch, wenn wir dann entscheiden, mit welchem Bild und welcher Garderobe von den etwa 400 Aufnahmen wir als erstes rausgehen wollen. Und im dritten Schritt auch, wenn wir aus den 16 Schriftzügen, die uns der nette Graphiker anbietet, den richtigen raussuchen.

    Ist das alles schwierig... Reiß Dich zusammen, Reitz, Du wolltest das alles so! Ich entwickle jedenfalls ein großes Verständnis für die vielen Künstler, mit denen ich schon arbeiten durfte und die sich mit ihren Entscheidungen auch immer schwer tun. Von außen betrachtet ist es leichter. Das Songschreiben genauso wie das Auswählen von Fotos und Schriften und die Wahl der Marketingstrategie (wenn man überhaupt eine hat). Wenn Du Dich auf einmal selbst bereit erklärst Dein Gesicht in die Öffentlichkeit zu halten, kommt im ersten - na sagen wir: im zweiten Moment, nämlich dann, wenn's wirklich drum geht, ein Riesenklumpen "Schaff ich das? Was will ich überhaupt?" auf Dich zu.

    Ich schwanke noch, ob ich mir im Nachhinein vielleicht gerne einen unbedarften, jungfräulichen Start als Sänger gewünscht hätte, der vielleicht auch einigermaßen unbeobachtet gewesen wäre. Oder ob ich es gerade gut finden soll erst jetzt mit einer gewissen, sicherlich noch ziemlich jungen Branchenerfahrung diesen zweiten Weg zu starten. Was hilft's - wir haben 2009 und es ist immer Jetzt, wie Mary Roos sagt. Und Angelika Milster, die sagt immer: Du musst erst mal hinter der Bühne was werden, bevor Du auf der Bühne was wirst.

    Meint sie damit die Bühne der Show oder die Bühne des Lebens? Ich werd sie bei Gelegenheit fragen. In jedem Fall habe ich gerade das Gefühl meine Künstler mit jedem Tag ein kleines bisschen besser verstehen zu können. Vielleicht hilft ja das auf der Bühne auch dabei hinter der Bühne noch besser zu werden. Bühne des Lebens inbegriffen.

    Meine erste eigene Platte kommt. Ich freu mich!!!

  • Ausländer in Sachen Volksmusik

    Sieben Jahre lang habe ich in Deutschland Titel zum Grand Prix der Volksmusik eingereicht. Nie hat's auch nur einer davon in die Vorausscheidung geschafft! Ich hatte mir feste vorgenommen, dass ich es nicht weiter versuchen würde. Jetzt haben meine Komponisten auch in diesem Jahr zwei Titel von mir eingereicht. Aber diesmal einen für Österreich und einen für die Schweiz. Das Ergebnis: Beide Titel sind genommen!

    Was lernt man nun daraus? Dass Österreicher und Schweizer den besseren Geschmack haben? Oder dass ich ihnen im Herzen näher stehe als den Deutschen? Dass meine Schreibe heute einfach treffsicherer ist als noch in den letzten Jahren? Oder dass in den Nachbarländern eine andere musikalische Politik herrscht als bei uns? Keine Ahnung. Ich glaube, ich entscheide mich für die Variante, dass der Zufall die schönsten Geschichten erzählt.

    Danke an Tommy Mustac und Stefan Roos für die wunderbare Zusammenarbeit bei "Das Herz einer Mutter" (Schweiz) und an Christian Bruhn und Wiebke Wimmer bei "Das Karussell dreht sich weiter" (Österreich)!

  • Dana Winner ist erwachsener als Schmetterlinge

    Dana Winner ist eine Interpretin, die ich liebe. Und das habe ich schon getan, bevor ich für sie schreiben durfte ("Wenn du lachst", "Nichts zu verbergen", "In deinen Armen" u.a.). Eine Stimme, die runtergeht wie Öl und die trotzdem dabei jede Zelle des Körpers berührt. Und Lieder, die außergewöhnlich sind - und außergewöhnlich schön.

    Nun bekam ich während der Vorbereitung zu ihrem neuen Album in Deutschland eine flämische Originalaufnahme zugeschickt. Eine leichte Folk- oder Country-Nummer, sehr beschwingt, sehr schön, sehr Dana Winner. Heißt im Original "De Vlinders achterna". "Den Schmetterlingen hinterher". Schön. Passt aber auf deutsch metrisch nicht auf die Zeile. Wird also umgetextet. Der Rest des Textes wird einigermaßen so beibehalten, wie ihn meine Schwieger-Tante übersetzt hat (Ich spreche kein Wort Flämisch - sehr geschickt für einen Übersetzer!) und den ich als recht banal empfinde: Der Frühling kommt, es zieht nach draußen, man will vor die Tür und irgendwie weg von hier, den Schmetterlingen folgen. Und irgendwas mit Liebe auch noch.
    Also lautet mein Plot für den deutschen Text: Ein Paar stand kurz vor dem Aus seiner Beziehung, aber in letzter Sekunde haben sie doch noch die Kurve gekriegt, und das gerade als der Frühling wiederkam. Also eine Liebe mit ähnlichem Verlauf wie das Jahr mit seinen Jahreszeiten. Und jetzt machen sie sich wieder gemeinsam auf den Weg "So weit die Sehnsucht reicht".

    Das Feedback:
    Meine Kollegin bei der EMI hat ein organisatorisches Problem mit den Worten "Frühling" und "Winter". Die Veröffentlichung der Single sei nämlich schon jetzt auf Spätsommer festgelegt. Ob ich das ändern könne. Gut. Kommen dieses Jahr die Schmetterlinge eben erst im Spätsommer.

    Das zweite Feedback:
    Dana findet den Text schön. Aber er soll ein bisschen erwachsener sein. Ob ich daran auch noch arbeiten könne.
    Solche Wünsche sind nichts Ungewöhnliches. Die Künstlerin muss sich wohl fühlen mit ihrem Lied. Also wird der Text noch ein bisschen aufgewertet.

    Kritisch wird's nur für die Schmetterlinge. Wenn die im Spätsommer immer noch nicht erwachsen sind - wann dann!?!

  • Wellness

    Heute mal nichts zum Thema Musik. Ich bin statt dessen auf dem Höhepunkt der Entspannung angekommen.

    Kurz vorm Jahresendstress gibt's ein paar Tage Wellnessurlaub im bayerischen Bad Gögging. Ein Dorf am Ende der Welt. Dahinter kommt nur noch München, dann nichts mehr. Nach drei Saunagängen gestern und oszillierender Massageliege war ich so weichgespült, dass Lenor mich auf seine Packung hätte drucken können und ich hätte's nicht mal gemerkt. Infrarot-Wärmekammer ist heute wieder dran (zum dritten Mal - es ist so geil!), Nordic Walking haben wir auch ausprobiert und indianische Ohrkerzen, die mit Kaminwirkung die Nebenhöhlen und Gehörgänge sauber machen und auf eigentümliche Weise macht dieses ganze Zeug zwar auch den Körper entspannt, aber vor allem den Geist frei. Mir geht’s wunderbar. Morgen früh um halb neun geht's aber erst noch zur Fuß- und Gesichtsbehandlung (ich hoffe, sie wechseln zwischendurch die Handschuhe), damit wir nicht nur entspannt, sondern auch noch schön heimkommen. Solarium anschließend. Ich kann's gar nicht mehr auseinanderhalten: Bin ich schwul, überarbeiteter Manager oder metrosexuell? Vielleicht von allem ein bisschen was.

    Umgeben sind wir (29 und 36) von älterem Publikum, das die unentwegt in allen Räumen aus den Lautsprechern rasselnde Weihnachtsmusik entweder nicht hört oder sich nicht dran stört. Abwechslung bietet allerdings die Panflöten-Untermalung im Wellness-Bereich, gelegentlich abgelöst von Enya oder „Richard Clayderman spielt Welthits“. Alles in allem der Soundtrack zu „Mein Leben im Fahrstuhl“.

    Hoppla, da hab ich wohl doch schon wieder über Musik geschrieben. Naja, Berufskrankheiten. Wir können halt doch nicht raus aus unserer Haut, selbst wenn wir sie noch so peelen.

  • Päckchen

    Blog.de vermisst mich. Schreibt es mir zumindest immer mal wieder. Dann wird's wohl höchste Zeit endlich ein Lebenszeichen von mir zu geben.

    Im Moment bin ich völlig besessen von der Singer-Songwriterin Amy Macdonald. Das ist die mit dem "Mr. Rock'n'Roll" und "This Is The Life". Einfache, aber großartige Songs von einer Frau mit heavy schottischem Akzent. Nah dran an "This Is The Loif". Wunderschön! Sie ist 21 und hat dieses Jahr pro Minute durchschnittlich 3,24 Einheiten ihres Debüt-Albums verkauft. Was für eine Leistung! Ich glaube, meine Rundfunkstatistik arbeitet mit ähnlichen Zahlen: Mittlerweile wird wohl alle 3,24 Stunden mal ein Song von mir irgendwo in Deutschland gespielt. ;-) Und das finde ich schon großartig! Es war so ein ruhiges erstes Halbjahr 2008, aber das zweite ist schon extrem, was Arbeit und gewissermaßen auch Anerkennung der Arbeit berifft. Die Unsicherheit werde ich wohl trotzdem nie verlieren, auch wenn ich immer wieder das Feedback bekomme, dass man sie mir nicht anmerkt und jeder stillschweigend davon ausgeht, dass wohl im Moment bei mir das sorgenfreie Leben vorprogrammiert ist und mir alles, was Probleme macht, gestohlen bleiben kann. Weil das Selbstbewusstsein schon die Hälfte aller Probleme regelt.

    Zugegebenermaßen, ich bin selbstbewusster geworden. Das ist Vor- und Nachteil gleichermaßen. Manchmal ist man mit gewachsenem Erfahrungsschatz und gesammelter Anerkennung etwas uneinsichtiger und auch ungeduldiger. Ich kann nur hoffen, dass das nicht negativ auffällt. Und dass man alles richtig macht. Und möglichst allen gefällt. Und was nicht noch alles... Und dann lese ich heute im Blog der erwähnten Amy Macdonald, dass sie sich immer noch ärgert, weil sie vor ein paar Wochen ihren iPod im Flieger vergessen hat und dass sie dieses Jahr ein paar Briefe von Antifans bekommen habe, die sie und ihre Musik scheiße finden und statt dass es ihr sonstwo vorbei geht, hat es sie gekränkt. Die erfolgreichste Newcomerin Europas im gesamten Jahr 2008 ärgert sich also noch über ein paar beschruppte Idioten, die sie und ihre Musik nicht mögen! Es ist so menschlich. Und ich habe mich dabei ertappt, dass ich mich fast gewundert habe, wie menschlich es ist.
    Irgendwie tröstet es mich ein bisschen: Egal wieviel Selbstbewusstsein man hinter einem Gesicht oder einer Brust vermutet und wieviel gelebter Erfolg in einer Aura steckt: Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Der eine kriegt's vielleicht etwas schöner verpackt als der andere, aber letztlich fummelt wohl jeder, selbst die größte Rampensau, abseits des Lichts unentwegt an den Schleifchen herum.

    Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch auf der Webseite eines lieben Freundes, Bastian Sick ("Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod"). Damals war er für mich allerdings noch kein Freund, sondern ein mir persönlich kaum bekannter Medienmensch, dessen Bücher ich zwar gelesen hatte (klar - wer nicht!), mit dem mich aber auf persönlicher Ebene noch nicht viel verband. Ich wusste nur, dass er Schlager mag und dass er eine Udo-Jürgens-Compilation herausgegeben hatte.
    Bastian hatte einen Pressespiegel auf seiner Seite stehen, der chronologisch geordnet war. An erster Stelle stand also der neueste. Und das war nun gerade ein Verriss erster Güteklasse: "Der Zwiebelfisch stinkt vom Kopf her". Ein fieser, von Neid durchtränkter Artikel, bei dem es mir völlig unverständlich war, warum man sowas auf seine Webseite setzt. Bastian hatte das aber getan. "Naja, es wäre ja feige sich nur mit den Lorbeeren zu schmücken; meine Arbeit soll schon von unterschiedlichen Seiten beleuchtet werden."
    Ich habe keine Ahnung, wie weh diese Entscheidung getan hat. Die Tapferkeit war allerdings schon beeindruckend. In seinem neuen "Happy Aua 2" Buch stehe ich sogar drin. Ich hatte ein "Zwiebelfischchen" weitergeleitet. :D Damit hat nun also auch meine Buch-Karriere begonnen...

    ...Von der Sänger-Karriere mal ganz zu schweigen. Über www.tobias-reitz.de gelangt Ihr auf meine MySpace-Seite, auf der mein erster eigener Song seit Jahren präsentiert wird: "Au revoir". Eine tolle Produktion von Dieter Brink, die ich getextet und gesungen habe. Wir arbeiten schon an Nachfolge-Songs. Jetzt aber erstmal sehen, ob wir für diese hier ein Label finden und wie es weitergeht. Noch so ein Päckchen, das ich mit mir rumtrage. Mal sehen, wer es aufpacken will. Heute ist Nikolaustag. Da wird sich hoffentlich jemand finden.

  • Danke

    Ich möchte mich bei meinen Freunden, Partnern, Kollegen und Auftraggebern für die Solidarität bedanken, die mir seit dem Artikel eines Onlinemediums, dessen Autoren mir zu mies, zu feige und zu verbittert sind, als dass ich dem hier noch Kraft und Platz geben möchte, bekundet wurde. Ich weiß, was ich an Euch habe.

    Ihr seid mit einem Wort: Wunderbar!
    Danke!
    Tobi

  • Ich mag es!

    Es gibt eine Frage, die mich beschäftigt: Warum beschweren sich eigentlich immer alle? Und warum tue ich es nicht? Oder tue ich es doch und merke es nur nicht? Bin ich denn so sonnenkindisch, dass ich einfach keine Probleme habe, während der Rest der Welt darin versinkt?! Möglicherweise habe ich es tatsächlich etwas einfacher als andere. Ich versuche es jeden Tag wahrzunehmen, dass ich in Sachen Familie, Liebe, Freundschaften, Gesundheit und Job sehr großes Glück hatte. Es wird sogar ein bisschen leichter, wenn sich alle um Dich herum permanent darüber beschweren...

    Mir fällt es schwer mich über die Politik zu beschweren. Dafür kenne ich sie nicht gut genug. Ich könnte leider auch nicht besser regieren als die amtierenden Minister. Und ich weiß seit 15 Jahren, dass ich höchstwahrscheinlich keine Rente mehr bekommen werde, also habe ich mich letztes Jahr um eine private Zusatzversorgung gekümmert, die ich mir leisten kann und die schon mal ein bisschen was abdeckt.
    Komischerweise trifft all das auf den größten Teil meines Bekanntenkreises aber auch zu. Wie lange muss man sich also mit einer Situation arrangieren lernen um mit ihr zufrieden zu sein?

    Ich kann mich auch nicht über die schlimme Situation der heutigen Musikwelt beschweren. Obwohl ich weiß, dass es nicht gut aussieht. Viele Menschen aus der Branche werden möglicherweise in den nächsten Jahren ihren Job verlieren. Das ist bitter. Ich glaube aber, dass in dieser Branche für jeden ein Platz sein wird, der ihn um keinen Preis verlieren will. Und selbst wenn nicht: Wer Musik in seinem Leben haben will, der findet sie - ob im Job oder anderswo. Und die Autoren? Die meisten, die ich kenne, waren schon in den 90er-, 80er- oder sogar 70er-Jahren aktiv und erfolgreich. Und "erfolgreich" hieß damals: Für die gleiche Arbeit, die wir heute machen, hat man damals das zehnfache verdient. Daran hat man sich damals natürlich gewöhnt. Heute sagen mir manche von diesen Menschen: "Ihr jungen Leute braucht ja heute eigentlich gar nicht mehr mit dem Musik Machen anfangen!" Was, bitteschön, soll ich mit so einer Aussage?! Welche andere Zeit soll ich denn bitte nutzen - ich hab doch nur diese! Es sind dies übrigens die gleichen Leute, bei denen ich auch eine gewisse Verbitterung, Resignation oder sogar Realistätsverlust feststelle.

    Aber es ist so: Die Menschen beschweren sich. Ich nutze die Gelegenheit dieser stillen, nicht promoteten Online-Präsenz für mein persönliches Ja: Ich lebe gern in Deutschland, ich mag die Mentalität dieses Landes, ich mag seine Musik und ich mag die Möglichkeit, die es mir bietet, Musik so zu machen, wie ich es mag - für Leute, die sie hören mögen. Zwischen Gosse und Olymp bleibt bei allem Umschwung noch ein Platz für mich. Dessen bin ich mir sicher, auch wenn ich keinen Anspruch auf Erfolg habe.

    Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit hatte in diese Branche einzusteigen und so verhältnismäßig positiv aufgenommen zu werden. Ich bin mir sicher, man hätte mich nicht haben wollen, wenn ich mich von Anfang an beschwert hätte. Mein Rat in diesem Sinne: Mögt es!

  • Süddeutsche und jetzt.de

    Wer in diesen Tagen meinen Blog besucht, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Googeln darauf gestoßen, nachdem er/sie den Bericht über mich in der Süddeutschen gelesen hat. Oder auf jetzt.de. So oder so: Er ist zu finden unter
    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/422714/TrkHomeMagImg3

    Einem jungen Schlagertexter kann wohl nichts Besseres passieren, als dass jemand wie der Journalist Peter Wagner (nicht zu verwechseln mit dem Produzenten!) auf einen aufmerksam wird und spontan beschließt ein Portrait zu machen. Dieser Mann ist eine Wucht - war der Artikel nicht schön geschrieben?! Ich bin ziemlich durch den Wind deshalb. Und selbst das Medienecho war schon in den ersten paar Stunden gewaltig. Toll! Bin gespannt, wie das mein Pilotenfreund (siehe letzten Absatz), meine Eltern und meine Künstler so finden. Die ersten haben schon geantwortet. Sie waren stolz und haben sich mit mir gefreut. Ist diese Branche wirklich so schlecht, wie alle behaupten? Irgendwie kann ich immer noch nicht daran glauben. Aber vielleicht stellt sich's ja auch erst heraus, wenn die Krisenzeiten kommen.

    Was gibt es Neues:
    * Stefanie Hertel ist auf Platz 90 der Album-Charts eingestiegen. Helene Fischer hält sich immer noch in den Top 50.
    * Neue Veröffentlichungen bei Helene Fischer, André Stade, Bata Illic, Xandra Hag, Anita Burck, Romeo's Erben, Heike Schäfer u.a. stehen in den Startlöchern.
    * Am 12.04. spiele ich mit dem Improtheater Phönixallee meine erste Show im Düsseldorfer Theatermuseum. Der Eintritt ist gering und die Gruppe motiviert. Wird bestimmt schön!
    * Im Mai startet wieder die Celler Schule. Unsere zehn Kandidaten sind gefunden! Näheres bald auf der Webseite.
    * Am 14.03. erscheint eine 3-CD-Box "Meine Lieder streicheln dich - Das Beste von Jean Frankfurter", die ich mit Jean gemeinsam zusammengestellt und konzipiert habe. Ein besonderes Herzens-Projekt. Wie soll man sonst dem Menschen, dem man wohl - nach den Eltern - am meisten verdankt, Danke sagen!?
    * Die neue Webseite wird jetzt endlich auch mal angegangen. Ich hoffe, ich kann sie im April oder Mai präsentieren.

    Heute allerdings noch nicht. Heute wird sich noch'n bisschen über meine vorübergehende Öffentlichkeit gefreut. Ich glaube, ich bin seit Udo Jürgens und Bastian Sick der erste Schlager-Protagonist, der sich über die Startseite solcher Magazine freuen kann. Und das ist doch mal eine Gesellschaft, der ich buchstäblich um den Hals fallen mag. Ob sich die beiden darüber freuen würden, wage ich mich erst gar nicht zu fragen. Schließlich sind wir ein ehrenwertes Haus...

  • Hochzeiten und andere Möglichkeiten zur Selbstdarstellung

    Ich werde oft gefragt, warum ich mich entschieden habe für andere Interpreten zu schreiben und nicht selbst zu singen. Ich kann gar nicht behaupten, dass das eine bewusste Entscheidung war. Es war viel mehr eine Verknüpfung von Chancen, die diesen Weg für mich naheliegender gemacht hat als den anderen. Meine liebe Kollegin Heike Fransecky hat mich als Textdichter entdeckt und in die Celler Schule von Edith Jeske und der GEMA-Stiftung geschickt. Abgesehen von Gesundheit und großer Liebe ist sie das Beste, was einem Nachwuchsautoren passieren kann. Diese Ausbildung hat mir Türen geöffnet. Angetreten habe ich sie 2001. Seit 2002 bin ich selbst Mitorganisator und Dozent in der Celler Schule.

    Der Wunsch selbst zu singen ist allerdings nicht vergraben. Er ist nur noch nicht auf so professionelle Füße gefallen wie das Schreiben. Ich singe oft, und manchmal auch (halb-)öffentlich, zum Beispiel am Wochenende bei meinen Freunden Susann und Christian, sie haben geheiratet. Ich hatte mich bei der Zeremonienmeisterin sicherheitshalber mal angemeldet, um was zum Besten zu geben. Bis zum Sektempfang hatte ich aber noch keine Ahnung, was... Die beiden hatten allerdings eine tolle Band da, die ich nach Udo-Jürgens-Titeln im Repertoire gefragt habe, weil die sich unheimlich gut abwandeln, parodieren und umtexten lassen. Oft sind es Couplets - siehe "Aber bitte mit Sahne" oder "Ein ehrenwertes Haus". Nach denen habe ich gefragt, aber sie hatten beide nicht im Gepäck. Wir konnten uns auf "Mit 66 Jahren" einigen. Also hieß es lauschen, worüber in Bezug auf das Paar gesprochen wurde, Notizen machen, zwischendurch zum Auto verschwinden und losdichten, drei Strophen, zwei variierende Refrains. Es musste schnell gehen. Die Schnellschüsse sind oft die besten, ich arbeite am liebsten unter Zeitdruck oder Zugzwang und spiele aus genau diesem Grund leidenschaftlich gerne Impro-Theater (dazu ein andermal mehr). Kurz und gut: Die Band war klasse, mein Auftritt kam super an und ich musste einmal mehr feststellen, wie beeindruckend spontane Kreativität und Formsicherheit für die Leute sind. Für mich hingegen sind IT-Fähigkeiten, Geduld mit Schreikindern oder die Fähigkeit mit funktionierendem Zeitmanagement ein Drei-Gänge-Menü zu zaubern bewundernswerte Gaben. Spontane Kreativität bejuble ich auch gerne, aber lieber bei anderen. Meine eigene krieg ich meistens gar nicht mit. Gebauchpinselt hat der Applaus dafür umso mehr. :D

    Nur eine Feststellung wird wohl unumstößlich bleiben: Jeder Banker trifft 'nen anderen Banker auf ungefähr jeder Party; jeder BWL'ler seinesgleichen ebenfalls, Juristen und Mediziner auch, aber ich werde wohl noch bis zum Tod auf die erste Nicht-Branchenparty warten müssen, auf der ich mal zufällig einem anderen Textdichter über den Weg laufe. Ich bin ein Exot.

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